Siebtes Gebot: Du sollst nicht stehlen!

Von DDDr. Peter Egger, Brixen

  1. Die Bedeutung des Eigentums
  2. Das rechte Verhältnis zum Eigentum
  3. Das Eigentum im privaten Bereich
  4. Das Eigentum im öffentlichen Bereich
  5. Das Eigentum im Arbeitsbereich
  6. Das einfache Leben
  7. Die Dritte Welt
  8. Die Bewahrung der Schöpfung

Beim siebten Gebot geht es um den Schutz und um die soziale Verpflichtung des Eigentums. Das Eigentum trägt entscheidend zum Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft bei.

1) DIE BEDEUTUNG DES EIGENTUMS

a) Das Eigentum als Voraussetzung für das Menschsein

Jeder Mensch ist auf Eigentum angewiesen und kann ohne Eigentum nicht leben. Er braucht gewisse Güter, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Zur Erhaltung des Lebens sind zunächst Nahrung, Kleidung und Wohnung erforderlich, zur Entfaltung des Menschen braucht es aber auch entsprechende Mittel für Bildung und Kultur. Bestimmte finanzielle Mittel sind aber auch für die menschliche Freiheit unentbehrlich: Ohne eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit kann es sich der Mensch in vielen Momenten nicht erlauben, frei zu sagen, was er denkt, und so zu handeln, wie es sein Gewissen von ihm verlangt. Gewisse finanzielle Mittel sind schließlich auch die Voraussetzung für bestimmte Freuden im menschlichen Leben: Ohne das nötige Kleingeld kann es sich der Mensch kaum leisten, ein Hobby zu pflegen oder einer Liebhaberei nachzugehen, die im Freude macht. So ist also ein gewisses Maß an Geld und Besitz für die Erhaltung und Entfaltung, für die Bildung und Kultur sowie für die Freiheit und Freude des Menschen von grundlegender Bedeutung. Aus diesem Grund gibt es auch ein eigenes Gebot, welches den Besitz des Menschen schützt.

b) Die soziale Verpflichtung des Eigentums

Beim siebten Gebot geht es aber nicht nur um den Schutz des Eigentums, sondern auch um dessen soziale Verpflichtung: Wer über finanzielle Mittel und über Besitz verfügt, muss diese auch für seine Mitmenschen einsetzen. Wer viel Geld hat, soll auch dem Armen helfen; wer einen gut gehenden Betrieb hat, soll auch seine Mitarbeiter gut bezahlen. Wenn jemand ein großes Haus führt, soll er gastfreundlich sein; wenn einer eine leer stehende Wohnung hat, soll er sie einer jungen Familie vermieten. Wer mehrere Autos besitzt, kann eines davon herleihen; wer ein großes Fest feiert, sollte auch einen Bedürftigen einladen. Wenn jemand gut erhaltene Kleider ablegt, soll er sie der "Caritas" geben; wenn jemand überschüssigen Salat im Garten hat, darf er ruhig ein paar Köpfe herschenken... Die materiellen Güter haben also auch eine soziale Seite und sind vor allem eine ständige Gelegenheit, viel Gutes zu tun! Jesus zählt die Wohltätigkeit zu den entscheidenden Werken des gläubigen Menschen: Er fordert uns auf, Almosen zu geben und Werke der Barmherzigkeit zu üben.

ZUSAMMENFASSUNG:

DIE BEDEUTUNG DES EIGENTUMS

a) Das Eigentum als Voraussetzung für das Menschsein
b) Die soziale Verpflichtung des Eigentums

2) DAS RECHTE VERHÄLTNIS ZUM EIGENTUM

a) Das Eigentum darf nicht zum Götzen werden

Das siebte Gebot erinnert uns auch daran, dass wir uns um die richtige Einstellung zum Eigentum bemühen sollen. Wir haben festgestellt, dass das Eigentum die Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben ist. Dennoch dürfen wir das Eigentum nicht als das Wichtigste in unserem Leben betrachten. Das Eigentum muss für uns immer ein Lebens-Mittel bleiben und darf nicht zum Lebens-Zweck werden. Wenn wir das Eigentum als unseren Lebens-Zweck betrachten, dann kommt es zu problematischen Fehlentwicklungen: Wir betrachten dann das Materielle als das Wichtigste und vergessen dabei das Geistige und Seelische. Durch den Materialismus kommt es aber auch zu charakterlichen Fehlentwicklungen: Wir werden leicht zu Egoisten und Geizkrägen, wir entwickeln uns zu berechnenden Krämern und Profitmenschen, die auch bereit sind, die anderen zu übertölpeln und zu betrügen. Wenn das Geld für uns zum Götzen wird, dann werden wir zu süchtigen Sklaven. Wir wollen dann immer mehr, und bekommen doch nie genug. Wir wollen dann alles kaufen, und können doch das Wesentliche nicht kaufen. Wir vernachlässigen unsere Familie und unsere Freunde, wir arbeiten auch in der Freizeit und am Sonntag, wir ruinieren unsere Nerven und unsere Gesundheit. Wir schuften wie die Verrückten und haben kaum Zeit, das Erworbene zu genießen. Wir haben Geld und Immobilien und können sie nicht in Lebensfreude umsetzen. Wir haben Aktien und Versicherungen, Häuser und Geschäfte, und können doch nichts mitnehmen, wenn wir diese Welt verlassen müssen. Wir sind im Grunde genommen arme Narren! Oft bringen uns erst eine zerbrochene Ehe, ein Herzinfarkt oder ein Bankrott zur Besinnung...

b) Der Mensch kann nicht Gott und dem Mammon dienen

Jesus mahnt uns eindringlich, die materiellen Güter nicht allzu wichtig zu nehmen. Er erinnert uns daran, dass unser eigentliches Ziel im Himmel ist: "Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen." (Mt 6,19-20) Jesus macht uns auch darauf aufmerksam, dass wir nicht gleichzeitig Gott und den materiellen Götzen dienen können: "Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon (= Geld als Götze). Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist das Leben nicht wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?" (Mt 6,24-25) Jesus fordert uns schließlich auf, dass wir uns zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit kümmern sollen. Auf dieser Grundlage werden wir dann auch zu jenen materiellen Gütern gelangen, die wir zum Leben brauchen. Wer sich zuerst für das Reich Gottes einsetzt, erhält in auffallender Weise alle Güter, die er zum Leben nötig hat.

ZUSAMMENFASSUNG:

DAS RECHTE VERHÄLTNIS ZUM EIGENTUM

a) Das Eigentum darf nicht zum Götzen werden
b) Der Mensch kann nicht Gott und dem Mammon dienen

3) DAS EIGENTUM IM PRIVATEN BEREICH

a) Keine fremden Dinge stehlen

Das siebte Gebot verbietet uns, fremde Dinge zu stehlen. Das bedeutet, dass wir uns kein privates Eigentum unserer Mitmenschen aneignen dürfen. Wir dürfen also kein Geld und keine Wertpapiere, keine Schmuckstücke und Kunstgegenstände, keine Autos und Fahrräder, keine Werkzeuge und Baumaterialien usw. usf. stehlen. Das siebte Gebot gilt auch im eigenen Familienkreis: Wir müssen unsere Familienangehörigen fragen, ob sie bereit sind, uns ihr Eigentum zur Verfügung zu stellen. So muss der Sohn den Vater fragen, ob er sein Auto haben darf; ebenso muss der Bruder gefragt werden, ob er seinen Tennisschläger zur Verfügung stellt, und auch die Schwester will gebeten sein, ob sie ihr Abendkleid für einen Ball herleiht. Gerade in der Familie gibt es oft große Spannungen, wenn die Besitzverhältnisse nicht respektiert werden. Deswegen ist es gut, wenn man fragt, bevor man sich etwas "ausleiht".

b) Geliehene Dinge zurückgeben

Das siebte Gebot verpflichtet uns weiters, dass wir geliehene Dinge zurückgeben. Wenn uns jemand Geld geborgt hat, so sollten wir es sobald wie möglich zurückgeben. Wenn uns jemand sein Motorrad für eine Ferienreise zur Verfügung stellt, sollten wir es gleich nach der Rückkehr zurückgeben. Öfters leihen wir von der Nachbarin einen Liter Milch oder eine Packung Pudding und versprechen, diese Dinge am nächsten Tag zurückzuerstatten. Aber dann "vergessen" wir darauf. Manchmal leihen uns Mitschüler ihre Videokassetten und wir "vergessen", sie zurückzugeben. Gelegentlich ist es auch ein geliehenes Buch, das in unseren Regalen verschwindet. Manchmal ist es auch eine Schaufel oder eine Fahrradpumpe des Nachbarn, die in unserer Garage liegen bleibt. Als gewissenhafte Menschen sollten wir die geliehenen Dinge immer an einen eigenen Ort stellen, damit wir uns daran erinnern, sie zurückzugeben. Bei gewissen geliehenen Dingen würde es auch nicht schaden, wenn wir sie mit dem Namen des Eigentümers und dem Leih-Datum in ein eigenes Heft eintragen. Wir sollten auch bei der nächsten Großreinigung bestimmter Räumlichkeiten bewusst nach geliehenen Dingen Ausschau halten. Spätestens aber sollten wir bei der nächsten Übersiedlung alle wiederentdeckten Leihgaben (mit einem kleinen Entschuldigungs-Geschenk!) zurückgeben. Erinnern wir uns daran, dass das Ausleihen von Dingen immer ein Vertrauenserweis ist, und bemühen wir uns, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.

c) Beschädigte Dinge in Ordnung bringen

Das siebte Gebot verlangt auch, dass wir beschädigtes Eigentum wieder in Ordnung bringen und verlorene Gegenstände ersetzen. Wenn wir mit einem geliehenen Moped einen Unfall bauen, müssen wir den Schaden reparieren lassen. Wenn wir einen geliehenen Mantel durch Fettflecken verunreinigen, sollten wir ihn chemisch reinigen lassen. Wenn uns bei einer geliehenen Bohrmaschine der Bohrer abbricht, dann müssen wir einen neuen kaufen. Wir dürfen diese beschädigten Dinge nicht einfach still und leise zurückgeben und dabei hoffen, dass der andere nichts merkt. Beim siebten Gebot geht es also auch darum, dass wir das Eigentum unserer Mitmenschen in ordentlichem Zustand erhalten bzw. bei Beschädigungen einen entsprechenden Schadenersatz leisten.

ZUSAMMENFASSUNG:

DAS EIGENTUM IM PRIVATEN BEREICH

a) Keine fremden Dinge stehlen
b) Geliehene Dinge zurückgeben
c) Beschädigte Dinge in Ordnung bringen

4) DAS EIGENTUM IM ÖFFENTLICHEN BEREICH

a) Die Schonung von öffentlichem Eigentum

Das siebte Gebot bezieht sich auch auf das öffentliche Eigentum. Wir sind dazu verpflichtet, schonend mit öffentlichem Eigentum umzugehen. Leider gibt es auch in diesem Bereich viele Formen des Missbrauchs. Manche verwandeln die öffentlichen Verkehrsmittel in einen Saustall und schreiben mit Filzstiften auf die überzogenen Sessel der Busse und Züge. Viele Schüler betrachten die Schulbänke als geeignete Flächen für geniale Schmier- und Schnitzversuche; andere sehen in den Häuserwänden den passenden Ort für ihre fragwürdigen Spraydosen-Malerei; wieder andere sehen in den Parkanlagen einen Ersatz für das WC und in den Beeten einen Selbstbedienungsladen für die eigene Blumendekoration; schließlich gibt es auch moderne Vandalen, die auf die Zertrümmerung von Telefonzellen spezialisiert sind, obwohl sie wissen, dass diese Leben retten können. Viele Zeitgenossen sind offensichtlich der Ansicht, dass das öffentliche Eigentum niemandem gehört und daher ungestraft beschädigt und zerstört werden darf. In Wirklichkeit ist es so, dass das öffentliche Eigentum allen gehört und daher noch mehr geschont werden muss als das private Eigentum. Gerade beim Umgang mit öffentlichem Eigentum zeigt es sich, welche Vorstellung ein Mensch vom Eigentum hat.

b) Kein Missbrauch von Sozialeinrichtungen

Der richtige Umgang mit dem öffentlichen Eigentum sieht auch vor, dass wir die verschiedenen Sozialeinrichtungen nicht missbrauchen. Wenn wir Sozialeinrichtungen in eigennütziger Weise in Anspruch nehmen, so schädigen wir damit das öffentliche Eigentum. Auch in diesem Bereich gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Der eine lässt sich krank schreiben, obwohl er gesund ist; der andere bezieht die Arbeitslosenunterstützung und arbeitet dabei den ganzen Tag schwarz; der dritte lässt sich von einem befreundeten Arzt eine Kur verschreiben, obwohl er keinen Anspruch darauf hätte; der vierte bezieht ein Studienstipendium, obwohl er die Möglichkeit hätte, sich sein Studium selbst zu finanzieren; der fünfte bittet bei der "Caritas" um eine Möbelgarnitur, obwohl er sich selbst Möbel kaufen könnte; der sechste sucht bei der Landesregierung um einen Zuschuss für die Landwirtschaft an und macht dabei falsche Angaben; der siebte stellt den Antrag auf eine Invalidenrente und hat dabei kaum größere Beschwerden... Immer wieder versuchen Leute, die Sozialinstitutionen für ihre egoistischen Zwecke auszunützen, immer wieder kommt es zur Aufdeckung von Betrügereien. Wer aber soziale Einrichtungen ausnützt, schädigt damit letztlich die Armen und Bedürftigen, bei denen dann gespart werden muss.

c) Keine Steuerhinterziehung

Das siebte Gebot mahnt uns auch, die Steuern zu zahlen. Die Steuern sind die Voraussetzung dafür, dass ein Gemein- und Sozialwesen finanziert werden kann. Wenn in einem Staat Steuern hinterzogen werden, kann die öffentliche Hand viele Aufgaben nicht erfüllen. Der Staat wird dann aber auch in seinen sozialen Hilfeleistungen eingeschränkt. Trotz dieser offensichtlichen Zusammenhänge versuchen heute viele Zeitgenossen, bei jeder Gelegenheit Steuern zu hinterziehen. Das kann auf vielerlei Weise geschehen: Durch Schwarz- und Pfuscharbeit; durch Bezahlungen ohne Quittung; durch Löhne und Mieten, die nur zum Teil quittiert werden; durch falsche Daten über den Aufenthalt von Hotel- und Pensionsgästen; durch die Verlagerung des Kapitals in andere Länder, in denen keine Quellensteuer zu bezahlen ist; durch den Wechsel des Firmensitzes bzw. des Wohnsitzes in ein Steuerparadies usw. usf. Auf diese Weise gehen dem Staat jährlich riesige Summen verloren.

d) Keine ungerechten Steuern

Das siebte Gebot verlangt aber auch, dass der Staat gerechte Steuern einhebt. Doch auch hier ist vieles faul: Selten war der Steuerdruck so hoch wie in unserer Zeit und noch nie war der Staat so erfinderisch in der Ausbeutung seiner Bürger. Er erfindet immer neue Steuern und Zusatzsteuern und belastet vor allem die kleinen Wirtschaftstreibenden und die großen Familien. In manchen Ländern erreichen die Steuern um die 40 Prozent des durchschnittlichen Einkommens! Und wenn dann auch noch häufig Fälle von Steuerverschwendung und Steuerveruntreuung bekannt werden, dann reicht es dem Bürger! Das siebte Gebot beinhaltet also auch die Forderung nach Steuergerechtigkeit. Die Steuerlasten müssen entsprechend den Möglichkeiten der Bürger verteilt werden. Der Staat muss die Reichen mehr belasten und die Armen mehr entlasten, und nicht umgekehrt! Er muss die Steuergelder sorgfältig verwalten und darüber Rechenschaft ablegen. Er sollte einen Politiker wegen Verschwendung von Steuergeldern sofort entlassen und ihn für seinen Missbrauch öffentlicher Gelder haften lassen. Der Staat darf auch nicht astronomische Schulden machen, die die nächsten Generationen auf Jahrzehnte mit Steuern belasten. In manchen Ländern muss ein Drittel des Steuereinkommens für die Tilgung der Zinsen (!) der Schulden verwendet werden.

ZUSAMMENFASSUNG:

DAS EIGENTUM IM ÖFFENTLICHEN BEREICH

a) Die Schonung von öffentlichem Eigentum
b) Kein Missbrauch von sozialem Eigentum
c) Keine Steuerhinterziehung
d) Keine ungerechten Steuern

5) DAS EIGENTUM IM ARBEITSBEREICH

a) Gerechte Preise im Handel

Die Kaufleute dürfen nur Preise festsetzen, die dem tatsächlichen Wert der Ware entsprechen. Die Verdienstspanne für die Waren soll selbstverständlich so berechnet sein, dass sie alle Spesen und Kosten ihres Geschäfts decken und auch noch ordentlich davon leben können, aber es sollte doch noch ein rechtes Verhältnis zwischen dem Preis und dem Wert der Ware bestehen. Vor allem bei den Waren, die für die Grundbedürfnisse des Menschen notwendig sind, muss der Preis für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich sein. So sollten etwa Lebensmittel und normale Kleidungsstücke für alle problemlos zu bezahlen sein. Anders verhält es sich bei Luxusartikeln, die der Mensch nicht unbedingt braucht. Vor allem wenn es sich dabei um so genannte "Markenartikel" handelt, die auch in einer normalen und billigeren Form zu haben wären, kann der Preis auch höher liegen. Wenn also jemand unbedingt Kleider aus der Boutique will und auf "Benetton" und "Armani" schwört, dann soll er auch das Entsprechende dafür zahlen. Allerdings darf es sich dabei nicht um Wucherpreise handeln, die in keiner Weise dem Wert des exquisiten Artikels entsprechen. Es würde sich in einem solchen Fall schlicht und einfach um einen Betrug am Kunden handeln. Eine Form des Betrugs ist es aber auch, wenn der Kaufmann dem Kunden minderwertige Waren als erstklassige Produkte verkauft. Das Gleiche gilt auch, wenn Waren verkauft werden, deren Verfallsdatum bereits überschritten ist... Der Kaufmann muss sich stets davor hüten, den Profit höher einzuschätzen als den Kunden.

b) Gerechte Forderungen der Handwerker

Auch die Handwerker sind verpflichtet, für ihre Leistungen gerechte Preise zu verlangen. Sie sind angehalten, die Arbeitszeit und das Arbeitsmaterial korrekt zu verrechnen. Sie sind verpflichtet, dem unkundigen Klienten korrekt mitzuteilen, welche handwerklichen Leistungen und welche Spesen effektiv notwendig sind. Leider kommt es gerade im Bereich des Handwerks immer wieder zu Unkorrektheiten: Ein Tischler fertigt einen Tisch an und verrechnet dafür mehr Arbeitszeit als er tatsächlich gebraucht hat. Ein Elektroinstallateur verlegt vierzig Meter Kabel und schreibt dann mehr Material auf als er wirklich gebraucht hat. Ein Mechaniker findet beim Auto einen geringen Schaden und macht daraus einen größeren Schaden. Ein Maurer verwendet minderwertiges Baumaterial und verrechnet dafür einen zu hohen Preis. Ein Hydrauliker erklärt, dass die Waschmaschine nicht mehr zu reparieren sei, damit er uns ein neues Stück verkaufen kann. Ein Heizungstechniker muss erst seinen Lehrbuben in die Werkstatt schicken, um das fehlende Werkzeug zu holen; ein Computertechniker hat zuwenig Kompetenz und braucht ewig lang für die Reparatur: Trotzdem muss in beiden Fällen die zusätzliche Arbeitszeit bezahlt werden... Durch diese unkorrekten Vorgangsweisen mancher Handwerker und Techniker kommt es immer wieder zu Ärger und Streit. Die überzogenen Forderungen führen aber auch dazu, dass die Schwarzarbeit ständig zunimmt: Es ist völlig natürlich, dass sich der Bürger nach "schwarzen" Handwerkern umschaut, wenn er immer wieder mit unverschämten Rechnungen konfrontiert wird.

c) Die Pflichten der Arbeitgeber

Die Arbeitgeber sind verpflichtet, den Angestellten einen gerechten Lohn zu bezahlen. Sie müssen aber auch die vorgeschriebenen Sozialversicherungsbeiträge für ihre Angestellten einzahlen. Sie haben schließlich auch die Pflicht, die Überstunden zu bezahlen bzw. einen entsprechenden Zeitausgleich zu gewähren. Ein Arbeitgeber sollte seinen verdienstvollen Mitarbeitern auch die Möglichkeit einer prozentuellen Beteiligung an der Firma geben. Leider schaut auch hier die Wirklichkeit oft ganz anders aus: Manche Unternehmer verlängern willkürlich die Probezeit der jungen Angestellten und gewähren ihnen oft monatelang keinen Vertrag. Andere Unternehmer melden ihre Angestellten überhaupt nicht an und versichern sie auch nicht. Manche Firmenchefs lassen vor allem junge Leute viele unbezahlte Überstunden machen. Wieder andere zahlen ihnen nicht den Lohn aus, der auf dem Gehaltszettel steht. Immer mehr Firmen greifen auf Arbeiter zurück, die nicht aus den EU-Ländern kommen und bezahlen sie unter dem EU-Lohnniveau. Das alles ist möglich, weil die Arbeitslosigkeit so groß ist und deshalb jeder froh sein muss, wenn er eine Arbeit hat. Und wenn sich trotzdem jemand beschwert, gibt man ihm zu verstehen, dass zwanzig andere auf seinen Platz warten... Es wird immer offensichtlicher, dass die Zeiten für die Arbeitnehmer zunehmend schlechter werden. Es ist uns zwar bewusst, dass die überzogenen Nebenlohnkosten der vergangenen Jahrzehnte abgebaut werden müssen. Aber es geht nicht, dass die zwei wesentlichen Grundelemente des Arbeitsvertrags, nämlich die leistungsgerechte Bezahlung und die soziale Absicherung, nicht mehr gewährleistet sind.

d) Die Pflichten der Arbeitnehmer

Auch die Arbeitnehmer müssen ihre Pflichten gegenüber dem Arbeitgeber ernst nehmen. Dazu gehören eine optimale Leistung, ein großes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, die Treue und die Loyalität gegenüber dem Unternehmer und die Solidarität gegenüber den Mitarbeitern und dem Betrieb. Leider gibt es auch hier häufig Missstände: Manche Angestellte nehmen es mit der Arbeit nicht übermäßig ernst. Sie sind unpünktlich und vertratschen eine Menge Zeit, sie gönnen sich häufig eine Kaffeepause und legen die Hände in den Schoß, wenn der Chef nicht herum ist. Sie telefonieren auf Betriebskosten und fotokopieren im Büro der Firma, sie verwenden den Firmenwagen für private Zwecke und lassen firmeneigenes Material aus dem Depot mitgehen. Wenn die Kumpel im Außendienst sind, dann ist einer bei der Arbeit, der zweite raucht eine Zigarette, der dritte trinkt ein Bier und der vierte sagt dem ersten, wie er's machen soll. Gewisse Leute haben auch immer zu meckern, dass sie zu wenig verdienen: Sie sorgen stets für ein revolutionäres Klima im Betrieb und heizen die Stimmung an. Sie stellen auch dann Lohnforderungen, wenn die Auftragslage schlecht ist. Sie reden abfällig von ihrem Chef und vergiften dadurch die Atmosphäre. Alle diese Haltungen widersprechen völlig der richtigen Haltung eines korrekten Arbeitnehmers, der sich durch Leistungsbereitschaft, Pflichtbewusstsein, Verantwortung, Treue, Loyalität und Solidarität auszeichnen sollte.

e) Eine Wirtschaft für den Menschen

Schließlich gilt es, die ganze Arbeitswelt und Wirtschaft in den Dienst des Menschen zu stellen. Wir müssen heute leider feststellen, dass in weiten Bereichen der Arbeit und der Wirtschaft nicht mehr der Mensch, sondern der Gewinn im Mittelpunkt steht. Die Wirtschaft orientiert sich nicht mehr am Menschen, sondern am Profit. Die Wirtschaft steht nicht mehr im Dienst des Menschen, sondern der Mensch steht im Dienst der Wirtschaft. Die Arbeitszeiten und das Arbeitstempo richten sich nicht nach dem Menschen, sondern nach den Maschinen und nach dem Gewinn. Die Wirtschaftsunternehmen kümmern sich nicht um Arbeitsplätze, sondern um vorteilhafte Standorte: Wenn die Steuern im Ausland niedriger sind, werden die Firmen im Inland geschlossen. Wenn die Lohnkosten im fernen Osten geringer sind, dann werden die Betriebe im Westen ausgelagert. Es hat den Anschein, dass heute nur mehr die Marktgesetze gelten und dass der Mensch ausschließlich als Kostenfaktor gesehen wird.

f) Der Mensch kommt vor dem Computer

Es lässt sich heute ganz allgemein feststellen, dass der Mensch immer mehr aus der Wirtschaft verdrängt wird. Durch die Computer-Revolution wird der Mensch im Produktionsbereich, aber auch im Verwaltungs- und Dienstleistungssektor zunehmend überflüssig. Der Computer ersetzt mehr und mehr den Menschen. Der Computer arbeitet schneller, zuverlässiger und vor allem billiger. Auf diese Weise wurde in den vergangenen 20 Jahren die Menge der Produktion um 60 Prozent gesteigert und die Zahl der Arbeitenden um fast 20 Prozent verringert. Und noch ist kein Ende dieser Verdrängung des Menschen aus der Wirtschaft abzusehen. Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss bei dieser "Verbilligung der Arbeitskraft" mitmachen. Niemand kann voraussagen, wohin diese Entwicklung führt. Nur eines lässt sich mit Sicherheit voraussagen, dass nämlich die Computerrevolution die Arbeitslosigkeit noch gewaltig steigern wird! Wahrscheinlich wird es erst nach Erreichen einer massiven Schmerzgrenze bei der Arbeitslosigkeit ein Einsehen geben, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn nämlich große Bevölkerungsteile ohne Arbeit sind, dann werden die sozialen Spannungen so groß, dass man zu mehr Solidarität und zu mehr Teilen von Arbeitsplätzen (mit geteilten Löhnen!) gezwungen sein wird. Man wird aber auch von Seiten des Staates durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen und durch Sozialmaßnahmen dafür sorgen müssen, dass die menschliche Arbeit gewährleistet wird. Wenn sich die Wirtschaft nicht in den Dienst des Menschen stellt, wird sie früher oder später auch selbst zugrunde gehen.

ZUSAMMENFASSUNG:

DAS EIGENTUM IM ARBEITSBEREICH

a) Gerechte Preise im Handel
b) Gerechte Forderungen der Handwerker
c) Die Pflichten der Arbeitgeber
d) Die Pflichten der Arbeitnehmer
e) Eine Wirtschaft für den Menschen
f) Der Mensch kommt vor dem Computer

6) DAS EINFACHE LEBEN

a) Der Irrsinn des Materialismus

Das siebte Gebot verlangt in unserer Zeit auch die dringende Bekehrung zu einem einfacheren Leben. Wir spüren heute zunehmend, wie uns der materialistische Lebensstil innerlich aushöhlt und kaputtmacht. Unsere Seelen sind oft leer und ausgebrannt. Unsere Gesundheit ist durch den ständigen Konsum gefährdet. Unser Familienleben und unsere Freundschaften sind oft ohne geistigen Inhalt. Die Freizeit besteht bei vielen in Gasthaus und Disco, Krimi und Western. Der Urlaub bedeutet für viele Körperkultur und Fitness, Lust- und Triebbefriedigung. Vor allem aber hat dieses materialistische Leben keinen höheren Sinn. Der materielle Wohlstand und der Mammon können unser tiefes Sehnen nach Glück und Sinn auf die Dauer nicht befriedigen. Dieses rein irdische Leben kann unser Herz niemals wirklich erfüllen. Immer mehr Menschen fühlen sich vom Materialismus betrogen und suchen deshalb nach einem Ausweg aus dieser Sackgasse.

b) Der Aufbruch zu einem geistigen Leben

Die Überwindung des Materialismus erfordert den bewussten Aufbruch zu einem geistigen Leben. Dieser Aufbruch geschieht durch die Wiederentdeckung der geistigen Werte und durch die Hinwendung zum inneren Menschen: Liebe ist wichtiger als Reichtum, Freundschaft ist wertvoller als Prestige, Feiern ist mehr als ein Fressgelage, Gespräche verbinden mehr als gemeinsame Räusche, persönliche Ausstrahlung ist anziehender als äußere Aufmachung, innere Zufriedenheit ist mehr wert als eine hohe Position, menschliche Geborgenheit ist wichtiger als eine finanzielle Absicherung, ein einfaches Leben ist freier als ein Leben mit dem Ballast vieler Güter, ein kleiner Besitz bringt weniger Sorgen als ein großes Vermögen. Unsere Ehen brauchen mehr Gespräche als Luxus, unsere Kinder brauchen mehr Erziehung als Geld, die Alten wünschen mehr Zuwendung als Versorgung, die Kranken schätzen mehr unsere Anteilnahme als unsere Geschenke. Die Schule lebt von guten Erziehern und nicht von perfekt eingerichteten Schulhäusern, die Jugendzentren leben von geistigen und sozialen Programmen und nicht von sündteuren Einrichtungen. Vereine und Klubs entfalten sich oft mehr durch kulturelle Veranstaltungen als durch aufwendige Vergnügungen, Freizeit und Urlaub verlangen mehr nach Muße und Besinnung als nach ekstatischen Genüssen. Die Politik erfordert mehr Gemeinschaft und Solidarität als eine verschwenderische Gefälligkeitsdemokratie und einen bankrotten Versorgungsstaat. Schließlich besteht das Leben nicht nur im Streben nach dem irdischen Glück, sondern im Streben nach dem ewigen Glück.

c) Die Bekehrung des Einzelnen

Es wäre nun aber völlig utopisch und naiv zu glauben, dass sich diese geistigen Vorstellungen im Großen durchsetzen lassen. Der Materialismus sitzt so tief in unserem Wirtschaftssystem und in unserer Konsumgesellschaft, dass wenig Hoffnung besteht, dieses System durch wirtschaftliche Normen und staatliche Gesetze grundlegend zu ändern. Der Aufbruch zu einem geistigen Leben kann nur durch die Bekehrung des Einzelnen geschehen. Deshalb wird dieser Aufbruch zunächst nur die Sache von kleinen Minderheiten sein. Erst mit der Zeit wird sich dieser neue Stil in größeren Bereichen durchsetzen: Die Schönheit und Sinnhaftigkeit eines geistigen Lebens wird vielen frustrierten Materialisten den Weg zur Bekehrung weisen. Diese Bekehrung wird aber auch durch eventuelle wirtschaftliche Einbrüche beschleunigt werden.

d) Eine ernste Gewissenserforschung

Die Bekehrung vom Materialismus beginnt mit einer ernsten Gewissenserforschung. Der Einzelne muss sich dabei fragen, wie es um sein Menschsein steht: Gelingt es mir, die geistigen und menschlichen Werte zu verwirklichen, oder stellt der Materialismus mein Menschsein in Frage? Bemühe ich mich um einen guten Charakter, oder verkaufe ich für Geld auch meine Seele? Höre ich auf mein Gewissen, oder kenne ich im Geschäft keinerlei Skrupel? Habe ich ein fühlendes Herz, oder gehe ich für meine Karriere über Leichen? Widme ich mich meinem Ehepartner und meinen Kindern, oder lebe ich nur für meine Arbeit? Habe ich Zeit für meine Freunde und Bekannten, oder habe ich nur Zeit für meine Geschäfte? Schaue ich auf meine Gesundheit, oder werde ich ein Millionär mit Herzinfarkt? Herrscht in meinem Inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, oder habe ich schon kaputte Nerven? Bin ich fähig, an geistige Dinge zu denken, oder beschäftige ich mich nur mit Bilanzen und Aktien? Kann ich mein Geld auch für andere ausgeben, oder bin ich geizig? Kann ich mich freuen, wenn der andere ein neues Auto hat, oder bin ich neidisch? Kann ich mich selbstlos für andere einsetzen, oder erwarte ich immer gleich eine Belohnung? Und wie steht es mit meinem Konsumverhalten? Ist mein Essen und Trinken maßvoll, oder esse und trinke ich eindeutig zuviel? Freue ich mich an einem schönen und gemütlichen Zuhause, oder will ich einen Luxus-Tempel? Entspricht mein Auto den Bedürfnissen, oder will ich nur einen Prestige-Wagen? Kaufe ich die Kleider zum Anziehen, oder dienen sie meiner Modeschau? Gilt meine Körperpflege der Gesundheit und Schönheit, oder ist sie bereits ein Götzenkult? Dienen meine Hobbys der Freude und Erholung oder meinem gesellschaftlichen Ansehen? Nehme ich mir Zeit für Kultur, Musik und Kunst, oder ist das nur verlorene Zeit, die kein Geld bringt?

e) Die entscheidende Frage

Schließlich kommt es zur entscheidenden Frage: Diene ich Gott oder dem Mammon? Denke ich an meine ewige Bestimmung, oder denke ich nur an das Diesseits? Sorge ich für Schätze im Himmel, oder sammle ich nur Güter, die ich beim Tod zurücklassen muss? Letztlich kann nur der religiös ausgerichtete Mensch mit dem Materialismus fertig werden! Nur eine über-irdische Sicht der Dinge kann den Menschen vom Materialismus heilen. Bei einer rein diesseitig ausgerichteten Lebensweise muss es zwangsläufig zu einem ständigen Rückfall in den Materialismus kommen. Wenn das Irdische alles ist, gibt es keinen Ausstieg aus dem Materialismus, dann wird das Irdische zwangsläufig zum Götzen! Nur eine Lebensbetrachtung aus der Sicht der Ewigkeit kann den Menschen wirklich und dauerhaft wandeln. Nur eine solche Sicht ist radikal genug, um den Materialismus zu bändigen und zu überwinden.

f) Die Solidarität unter den Menschen

Das einfache Leben führt auch zu einer neuen Solidarität unter den Menschen. Die einzelnen Personen rücken näher zusammen und helfen sich gegenseitig. Das zeigt sich vor allem in der Familie: Beim Essen gibt es keine Extrawurst für jeden Einzelnen, sondern fixe Mahlzeiten mit dem gleichen Essen für alle. Es braucht nicht für jedes Kind ein Einzelzimmer, sondern es können auch zwei oder drei Kinder in einem Zimmer schlafen. Die jüngeren Geschwister übernehmen die Kleider und Schulbücher von ihren älteren Geschwistern, weil dadurch gespart werden kann. Am Sonntag werden gemeinsame Fahrten unternommen, weil das kostengünstiger ist.
Diese Bereitschaft zum einfachen Leben fördert auch die Nachbarschaftshilfe in den Wohnhäusern und die Solidarität unter den Arbeitskollegen. Sie bewirkt oft eine beträchtliche Einsparung von Geldern: Eine gute Hausgemeinschaft mehrerer Parteien verbilligt die Betriebsspesen, die Fahrgemeinschaft von Arbeitskollegen reduziert die Fahrtspesen usw. usf.

g) Die Revolution des einfachen Lebens

Das einfache Leben des geistig bestimmten Menschen ist die entscheidende Voraussetzung für die Lösung verschiedener Probleme. Das einfache Leben wird wahrscheinlich sogar über das zukünftige Überleben der Menschheit entscheiden. Durch das einfache Leben kommt es zunächst zur Überwindung des Materialismus und zur Rettung des inneren Menschen. Das einfache Leben fördert die Gesundheit des Einzelnen und ermöglicht die Solidarität in der Gemeinschaft. Sie löst aber auch manche Probleme der Wirtschaft: Wenn wir weniger konsumieren, dann brauchen wir weniger arbeiten und verdienen. Wir benötigen dann weniger Arbeitsplätze oder können Arbeitsplätze teilen. (Die konkrete Umsetzung der Arbeitsplatzteilung ist allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden.) Es kann dann in vielen Familien zumindest ein Partner zu Hause bleiben. Wenn wir weniger Zeit für die Berufsarbeit aufwenden, dann haben wir mehr Zeit für die Familie und für soziale Einsätze. Wir haben dann Zeit für unsere Kleinkinder und brauchen sie nicht mehr um sieben Uhr morgens in die Kinderkrippe bringen. Wir spielen dann mit unseren Kindern und müssen nicht ständig nach Babysittern suchen. Wir nehmen dann selbst die Erziehung unserer Jugendlichen in die Hand und überlassen sie nicht der Freizeitindustrie, dem Fernsehen und dem Zeitgeist. Wir können dann auch die Pflege der Alten übernehmen und müssen sie nicht in ein Heim abschieben. Auf diese Weise kommt es auch zu einer gewaltigen Entlastung des Sozialstaates und zu einer rascheren Sanierung der Staatsschulden. Wenn wir einfacher leben, haben auch die Menschen der Dritten Welt mehr Güter zu Verfügung: Wenn wir auf unseren Überfluss verzichten und uns einschränken, reichen die Güter für alle Menschen. Schließlich wird das einfache Leben auch der Umwelt und dem Naturschutz zugute kommen: Wenn wir weniger Güter produzieren und konsumieren, dann wird die Umwelt weniger belastet und die Rohstoffe dauern länger.
Das einfache Leben ist somit der Schlüssel für die Lösung vieler Probleme. Wir werden in allernächster Zeit bereits feststellen, dass es ohne ein einfacheres Leben gar nicht mehr weitergehen kann. Der Mensch und die Welt sind so von Gott geschaffen, dass nur ein geistiger Lebensstil das Überleben der Menschheit ermöglicht.

ZUSAMMENFASSUNG:

DAS EINFACHE LEBEN

a) Der Irrsinn des Materialismus
b) Der Aufbruch zu einem geistigen Leben
c) Die Bekehrung des Einzelnen
d) Eine ernste Gewissenserforschung
e) Die entscheidende Frage
f) Die Solidarität unter den Menschen
g) Die Revolution des einfachen Lebens

7) DIE DRITTE WELT

a) Der Skandal der Dritten Welt

Das siebte Gebot fordert uns auch heraus, die entsetzliche Ungleichheit zwischen unseren reichen Ländern und der Dritten Welt zu überwinden. Es ist heute allgemein bekannt, dass 20 Prozent der Menschheit über 80 Prozent der Güter dieser Welt verfügen, und dass 80 Prozent der Menschheit mit den restlichen 20 Prozent der Güter auskommen müssen. Wir haben inzwischen auch erfahren, dass das Jahreseinkommen eines amerikanischen, schweizerischen oder schwedischen Arbeiters mehr als hundertmal höher ist, als das eines Arbeiters in Mozambique und Bangladesch. Während bei uns 30 Prozent der Menschen Übergewicht haben und 25 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen werden, leiden in der Dritten Welt hunderte von Millionen Menschen ständig an Hunger. Während bei uns Hunde und Katzen mit Supernahrung gemästet werden, fehlt es in diesen Ländern an Babynahrung. Während bei uns Ernten vernichtet werden, um die Preise zu erhöhen, fallen dort die Ernten aus, weil es an Wasser fehlt. In den reichen Ländern werden für bestimmte Kleider von Modeschöpfern bis zu einer Million Mark bezahlt, und in den Ländern der Dritten Welt haben viele Menschen oft kaum Fetzen, um sich zu bekleiden. In den wohlhabenden Ländern leben 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung als Singles in einer eigenen Wohnung, und in der Dritten Welt hausen oft 8 bis 10 Personen in einem einzigen Raum. Bei uns besuchen die Kinder mindestens zehn Jahre lang eine Schule, und in der Dritten Welt gibt es eine Milliarde Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Bei uns ist die medizinische Versorgung aller Bevölkerungsschichten gewährleistet, und in der Dritten Welt leiden Millionen Menschen noch an Krankheiten, die bei uns längst ausgerottet sind. Bei uns gibt es Kliniken für Papageien und Wellensittiche, aber in der Dritten Welt fehlt es oft an den einfachsten Krankenstationen. Bei uns ist die Altersversorgung der Menschen gesichert, aber in der Dritten Welt gibt es noch viele Menschen ohne jede Altersversorgung. Während wir die Produkte dieser Länder oft mit einem vielfachen Gewinn verkaufen, bekommen die Arbeiter und Bauern der Dritten Welt oft nur äußerst bescheidene Löhne. Während bei uns die Banken durch die Kredite an diese Länder immer reicher werden, wird die Wirtschaft der Dritten Welt durch die Schulden mehr und mehr erdrosselt. Damit diese Länder unsere Güter importieren können, müssen sie uns ihre Rohstoffe zu niedrigen Preisen abgeben. Damit diese Länder unsere Waffen kaufen können, müssen ihre Bürger auf lebenswichtige Güter verzichten. Während die reichen Länder Milliarden Dollar für die Raumfahrt und die Rüstung ausgeben, hausen in den armen Ländern Millionen Menschen in Favelas und Blechbaracken. Während die reichen Länder immer reicher werden, werden die armen Länder immer ärmer... Aufgrund dieser untragbaren Situation kommt es zu immer größeren Spannungen zwischen der Ersten und der Dritten Welt. Die reichen Länder der nördlichen Halbkugel unserer Erde stehen in Konflikt mit den armen Ländern der südlichen Halbkugel. Schon seit mehreren Jahren ist daher die Rede vom "Nord-Süd-Konflikt". Wenn es uns nicht gelingt, diesen Konflikt rechtzeitig zu lösen, dann wird es zu einem Kampf kommen, der in absehbarer Zeit die gesamte Welt erschüttern wird.

b) Hilfe mit Fragezeichen

Vielen Menschen ist inzwischen bewusst geworden, dass die Dritte Welt die größte Herausforderung unserer Zeit ist. Auch die Politiker mehrerer Länder haben verstanden, dass es dringend notwendig ist, sich für die Länder der Dritten Welt einzusetzen. Verschiedene Nationen haben sich dazu entschlossen, eine bestimmte Summe ihres Finanzhaushalts für die Dritte Welt zur Verfügung zu stellen. (Meistens handelt es sich dabei um etwa 1 Prozent des Bruttosozialprodukts). Aber auch verschiedene weltweite Organisationen - wie die Weltgesundheitsorganisation UNESCO und die Welternährungsorganisation FAO - bemühen sich, die Entwicklung der Dritten Welt zu fördern. Die reichen Nationen versuchen die Wirtschaft der armen Länder zu fördern, damit diese allmählich imstande sind, sich selbst zu versorgen. Sie wollen ihnen eine grundlegende Bildung und technisches Know how vermitteln, damit sie die nötigen Produkte im eigenen Land herstellen können. Auf diese Weise soll auch versucht werden, die Auswanderung von Millionen Menschen zu stoppen, die als Wirtschaftsflüchtlinge in die reichen Länder strömen. Neben diesen erfreulichen Initiativen gibt es aber auch sehr fragwürdige Methoden, um die Probleme der Dritten Welt in den Griff zu bekommen: So wird heute von seiten der Ersten Welt ein massiver Druck auf die Dritte Welt ausgeübt, um die Bevölkerungszahl dieser Länder durch eine drastische Geburtenkontrolle und durch die Freigabe der Abtreibung zu drosseln. Es wird dabei aber grundsätzlich übersehen, dass die vielen Kinder für die Menschen in der Dritten Welt die einzige soziale Absicherung und Altersversorgung sind. Daher kann die Kinderzahl in diesen Ländern erst dann gesenkt werden, wenn vorher eine entsprechende Sozialversicherung und Altersversorgung geschaffen worden ist. Weiters knüpft der Weltwirtschaftsfond seine Hilfeleistungen an die Bedingung, dass diese Länder ihre Schulden abbauen und damit ihre Wirtschaft sanieren. Auch hier wird übersehen, dass der Abbau der Schulden meistens nur über die Kürzung der Sozialleistungen erfolgt. Auf diese Weise sind dann wiederum die Armen die Leidtragenden. Anstatt allmählich eine Wirtschaft aufzubauen, die Land und Leute ernähren kann, werden Menschen sterilisiert und Kinder abgetrieben. Anstatt durch ein bescheidenes Sozialnetz die Armen aufzufangen, werden die Sozialleistungen gekürzt. Auf diese Weise kommt es zu Millionen Abtreibungen und zu einem sozialen Elend, das immer größer wird.

c) Die konkrete Hilfe des Einzelnen

Es stellt sich uns die ganz persönliche Frage, was der Einzelne für die Dritte Welt tun kann. Die erste Möglichkeit besteht in der persönlichen Unterstützung von Menschen, die in der Dritten Welt tätig sind. Viele von uns kennen Missionare und Klosterfrauen, die in der Dritten Welt tätig sind. Viele von uns sind mit Entwicklungshelfern, Ärzten und Krankenschwestern bekannt, die sich in der Dritten Welt einsetzen. Da bestehen dann vielfältige Möglichkeiten, diese Personen an Ort und Stelle zu unterstützen: Es gibt die Möglichkeit, durch Weihnachts- und Flohmärkte in der Pfarre Geld zu sammeln; es ist möglich, Kleider, Haushaltsgeräte, Schulmaterial und Medikamente zu sammeln. Eine gute Initiative sind auch die Selbstbesteuerungs-Gruppen, die regelmäßig einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens für die Dritte Welt zur Verfügung stellen. Eine großartige Sache sind auch die so genannten "Weltläden", die die Produkte aus der Dritten Welt ohne Zwischenhandel verkaufen. Auf diese Weise bekommen die Handwerker und Bauern in der Dritten Welt einen wesentlich höheren Lohn für ihre Arbeit. Gleichzeitig werden die Gewinne dieser "Weltläden" auch in Projekte investiert, die den Menschen in weiteren Orten Arbeit verschafft. Neben dieser Unterstützung aus der Ferne gibt heute auch immer mehr Menschen, die sich für eine bestimmte Zeit verpflichten, in der Dritten Welt tätig zu sein: So sind viele junge Menschen bereit, als Entwicklungshelfer, Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und Techniker in der Dritten Welt zu arbeiten. Es gibt aber auch Gruppen von Leuten, die kurzfristig in der Dritten Welt im Einsatz sind: So folgten z. B. einige Handwerker der Einladung einer bekannten Missionsschwester, während des Urlaubs eine kleine Außenstation für die Mission zu errichten. Diese wenigen Beispiele zeigen, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, auch als Einzelner etwas für die Dritte Welt zu tun. Auf diese Einzelnen aber kommt es an.

ZUSAMMENFASSUNG:

DIE DRITTE WELT

a) Der Skandal der Dritten Welt
b) Hilfe mit Fragezeichen
c) Die konkrete Hilfe des Einzelnen

8) DIE BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG

a) Die Natur steht vor dem Kollaps

Das siebte Gebot schließt auch die Verpflichtung ein, dass wir die Natur achten und schonen. Wir wissen alle, dass die Natur weltweit bedroht ist: Die Experten sagen uns bereits seit einigen Jahrzehnten, dass die Welt einer ökologischen Katastrophe entgegengeht. Sie sprechen von einem "geplünderten Planeten" und einem "Kollaps der Natur". Durch die unkontrollierte Überindustrialisierung kommt es zu einer Ausbeutung und Auslaugung der Erde. Die Kohlendioxydanreicherung in den oberen Schichten der Atmosphäre führt zum berühmten "Treibhauseffekt", der wiederum katastrophale Klimaveränderungen und Überschwemmungen bewirkt. (So wurde z. B. errechnet, dass in den Industrieländern 1990 eine Menge von 15,9 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen wurde, was einer Pro-Kopf-Menge von 13,1 Tonnen CO2 entspricht.) Durch die Verschmutzung der Abwässer kommt es zu einer Verseuchung der Meere und zur Zerstörung der lebenserneuernden Eigenschaften des Meeres. Durch die rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffe kommt es zu einer zunehmenden Verknappung der Rohstoffreserven. (So verbrauchen z. B. die Vereinigten Staaten von Amerika pro Tag eine Erdöl-Menge, die ein Volumen von einem Kilometer Länge, 100 m Breite und 10 m Höhe aufweist; weiters entspricht die in den Vereinigten Staaten verbaute Menge an Stahl einer Pro-Kopf-Menge von 11 Tonnen Stahl.) Durch den Müll der Konsumgesellschaft kommt es zur Entstehung von Müllbergen, die gigantische Ausmaße annehmen. (So produziert z. B. Österreich mit seinen 7 Millionen Einwohnern jährlich eine Müllmenge, die dem Volumen von sieben Cheopspyramiden entspricht. Diese Pyramiden würden jeweils die Höhe des Wiener Stephansdomes erreichen!) Durch den Betrieb von Atomreaktoren produzieren wir einen Atom-Müll, der 3000 Jahre (!) lang radioaktiv bleibt... Wenn wir so weitermachen, werden wir laut Hochrechnungen um das Jahr 2030 den kritischen Punkt erreichen, an dem es zum Zusammenbruch unserer Zivilisation kommt: Die Luft und das Wasser werden dann so verseucht sein, dass große Teile der Menschheit nicht mehr gesund leben können; die Rohstoffreserven werden bis zu diesem Zeitpunkt so ausgebeutet sein, dass viele Industrieprodukte nicht mehr hergestellt werden können; die Verschmutzung der Anbauflächen wird zu geschädigten Agrarprodukten führen; die Auslaugung der Böden wird Hungersnöte zur Folge haben; das Absterben riesiger Waldflächen wird die Erneuerung des Sauerstoffs unterbinden; die radioaktive Strahlung wird die Krebserkrankungen vervielfachen; die gigantischen Müllberge werden uns über den Kopf wachsen und die Ozeane werden sich in eine weltweite Kloake verwandeln. Alle diese Dinge sind Anlass zu größter Sorge. Sie verlangen von uns ein rasches Handeln und eine echte Umkehr.

b) Die Überwindung der Inweltverschmutzung

Das Kernproblem des Umweltschutzes ist die innere Einstellung des Menschen. Wenn der Mensch in der Natur ein Objekt sieht, das er nach eigenem Gutdünken verwenden und ausbeuten kann, dann ist ein Naturschutz von vornherein unmöglich. Wenn er hingegen in der Natur die Schöpfung Gottes erblickt, die er achten und schonen muss, dann ist der richtige Umgang mit der Natur möglich. Der Hebel für die Bewältigung des Umweltproblems ist also im Herzen der Menschen anzusetzen: Wir müssen zuerst die Inweltverschmutzung bekämpfen, bevor wir die Umweltverschmutzung bewältigen können. Wir müssen zuerst die sinnliche Gier, das Profitdenken und die Konsumwut in unserem Inneren überwinden, bevor wir die Ausbeutung und die Zerstörung der Natur stoppen können. Die Bewältigung des Umweltproblems erfordert also die innere Bekehrung des Menschen!
Der richtige Umgang mit der Natur verlangt aber auch eine Neuorientierung der Wissenschaft. Die Wissenschaft hat seit der Neuzeit die Ansicht vertreten, dass es ihre Aufgabe sei, die Natur zu beherrschen. Diese Vorstellung kam vor allem in dem bekannten Satz "Wissen ist Macht!" zum Ausdruck. Wir haben inzwischen schmerzhaft erfahren, dass dieser Satz oft katastrophale Folgen hatte. Es ist uns bewusst geworden, dass der neue Leitsatz der Wissenschaft lauten muss: "Wissen ist Verantwortung!" Das setzt aber voraus, dass nicht mehr der Mensch das Maß aller Dinge sein darf. An die Stelle des Menschen muss der Maßstab Gottes und seiner Schöpfung treten.

c) Die Ehrfurcht vor der Schöpfung

Die Beziehung zur Natur muss von der Ehrfurcht vor der Schöpfung bestimmt sein. "Das Grundgesetz ... muss die Schonung der Natur sein, die Ehrfurcht vor dem Lebendigen und die Verantwortung für die Zukunft. Wir sind nur Gast auf dieser Erde und müssen sie unseren Nachkommen wohnlich hinterlassen. Wir dürfen verwenden, was wir brauchen, aber nicht verschwenden, was unseren Nachkommen bitter fehlen würde. Gott hat diese Erde so geschaffen, dass nur die Ehrfürchtigen auf ihr leben können, die Schonung, Rücksicht und Verantwortung kennen. ... Der Ehrfurchtslose zerstört die Zukunft der Erde und sich selber. Jene ehrfürchtige Wirtschaft und Technik, die das Lebendige schont, nennt man heute "Sanfte Technik". Sie will keine Wolkenkratzer-Städte, keine Autobahnen und keine Atomreaktoren. Sie will Langlebiges und Sinnvolles produzieren, die Dinge schonen und schließlich wiederverwerten. Das ist ein Ausdruck der Liebe, der Treue und der Rücksicht. Die "Sanfte Technik" unterscheidet auch in der Wirtschaft zwischen Gut und Böse. Ihr Grundsatz lautet: "Halte Maß!"" (Madinger, H., Die Zeichen dieser Zeit, Wien 1980, S. 79.)

d) Konkrete Maßnahmen zum Schutz der Natur

Der Umweltschutz ist eine Herausforderung für jeden Einzelnen von uns. Der Umweltschutz verlangt den sparsamen Gebrauch von Lebensmitteln, Kleidern, Materialien, Wasser und Energie. Er fordert das Recycling von Glas, Metall und Papier. Zum Umweltschutz gehört auch die gewissenhafte Entsorgung von Fetten, Ölen und Batterien. Die Ökologie verlangt den sparsamen Gebrauch des Autos, die Verwendung von bleifreiem Benzin, den Einbau eines Katalysators und die Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Erforderlich sind auch fortschrittliche Heiztechnologien und gemeinschaftliche Heizanlagen. Weiters gehören zum Umweltschutz die Verwendung von Flaschen und Taschen anstelle von Kartonpackungen und Plastiksäcken. Bei Wanderungen sollen keine Konserven und Plastikflaschen weggeworfen werden, Alufolien und Papierservietten sollen nach dem Picknick in den Abfalleimer wandern, Bierflaschen dürfen nicht mutwillig auf Steinen und Felsen zertrümmert werden. Es versteht sich auch, dass wir nach Möglichkeit keine Aludosen und Spraydosen verwenden. Trotz dieser verschiedenen Maßnahmen zur Bewahrung der Schöpfung soll es nicht dazu kommen, dass wir zu Sklaven des Umweltschutzes werden. Es ist nicht notwendig, dass wir als Wald- und Wiesenkinder oder als wandelnde Jutesäcke in Erscheinung treten. Wir sollten also keine Ökofanatiker werden, die in ein grünes Paradies auswandern. Wir sollten vielmehr normale Menschen bleiben, die in einer gepflegten und dezenten Umwelt leben.

e) Keine esoterische Naturreligiosität

Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass der Naturschutz bei aller Achtung und Ehrfurcht vor der Natur nicht zu einer esoterischen Naturreligiosität ausarten darf. Die Esoterik und die Philosophie der Grünen sehen in der Natur einen Ausdruck des Göttlichen und gelangen damit zu einer neuheidnischen Naturreligiosität. Für uns Christen ist die Natur eine Schöpfung Gottes, aber nicht etwas Göttliches. Die Natur ist von einzigartiger Größe und Schönheit, aber sie ist nicht das Absolute. Treffend hat der christliche Denker Blaise Pascal (1623-1662) dazu geschrieben: "Die Natur hat Vollkommenheiten, um zu zeigen, dass sie das Abbild Gottes ist, und Mängel, um zu zeigen, dass sie nur das Abbild ist." (Pascal, Blaise, "Gedanken", § 451)
Die Ökologie darf also nicht zu einer Ideologie und zu eine Religion ausarten, sondern muss im Rahmen unserer christlichen Weltanschauung beheimatet sein. Wir sollten uns deshalb davor hüten, die Pflege der Natur als einen religiösen Kult zu betrachten. Die Pflege der Natur ist kein Gottesdienst, sondern ein Dienst an der Schöpfung. Wenn wir diese Unterscheidung klar vor Augen haben, werden wir vor vielen Fehlhaltungen bewahrt.

ZUSAMMENFASSUNG:

DIE BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG

a) Die Natur steht vor dem Kollaps
b) Die Überwindung der Inweltverschmutzung
c) Die Ehrfurcht vor der Schöpfung
d) Konkrete Maßnahmen zum Schutz der Natur
e) Keine esoterische Naturreligiosität

ALLGEMEINER ÜBERBLICK:

SIEBTES GEBOT: DU SOLLST NICHT STEHLEN!

1) Die Bedeutung des Eigentums
2) Das rechte Verhältnis zum Eigentum
3) Das Eigentum im privaten Bereich
4) Das Eigentum im öffentlichen Bereich
5) Das Eigentum im Arbeitsbereich
6) Das einfache Leben
7) Die Dritte Welt
8) Die Bewahrung der Schöpfung