Reflexionen zum Tod des Heiligen Vaters

Bemerkenswerte Zeichen
In einem zweiten Teil haben wir "bemerkenswerte Zeichen" zum Tod des Heiligen Vaters zusammengetragen.

Die gebeugte Gestalt in Weiß
Von den vielen kirchlichen und weltlichen Stimmen zum Ableben des Heiligen Vaters wollen wir jene von DDr. Günther Nenning bringen. Ja, das war der 296te Papst der Kirchengeschichte!

Predigt von Kardinal Ratzinger bei der Trauerfeier

Santo subito

 


Die gebeugte Gestalt in Weiß

von DDr. Günther Nenning
Wiedergabe des Artikels der Kronenzeitung vom 3. April 2005, Seite 8 und 9 (mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Der Heilige Vater übte eine unglaubliche Ausstrahlung
auf Kinder und Jugendliche aus.

Sie liebten ihn.


Er war ein Konservativer und dennoch ein Revolutionär –
der Karol Wojtyla, der das Gesicht der Welt veränderte.

 

Ein tapferes Herz hat auf gehört zu schlagen. Er hätte es doch schön bequem haben können. Oberhaupt der katholischen Christen - Schätzungen schwanken, aber es dürften nicht viel weniger als beinahe eine Milliarde Menschen auf dem Globus sein. Das wäre doch ein Job gewesen, der auch einen aktiven Typ im Trab gehalten hätte. Aber ihm reichte es nicht.
Als Jüngling schrieb er gar nicht frömmelnde Theaterstücke: Er war ein Dichter. Nichts reichte ihm als die große Utopie: ein Papst zu sein, nicht bloß für die Katholiken, sondern einer, dessen Feld die ganze Welt ist. Seine belächelte ewige Herumreiserei - an die hundert Mal ging er auf Fahrt - seine aktive Sehnsucht nach Zusammenwirken mit allen christlichen Konfessionen, mit allen Re1igionen, inklusive Juden und Muslime… nichts, gar nichts ließ er aus an möglichen Chancen, Christus ins globale Spiel zu bringen. Er war ein Apostel von neuer Qualität.

"Ich laufe, aber nicht ins Ungewisse"

Als junger Mann und noch als Papst fuhr er gern Ski. Noch mit siebzig, körperlich gezeichnet, versuchte er es in den Dolomiten, nostalgisch und optimistisch. Er war ein Sportler. Ein Sportler wie der heilige Paulus, dessen Namen er trug: "Ich laufe, aber nicht ins Ungewisse. Ich kämpfe, aber nicht wie einer, der in die Luft schlägt." (Paulus an die Korinther)
"Nicht dass ich's ergriffen habe. Aber ich vergesse, was hinten ist, und strecke mich nach dem, was vorne ist, und jage nach dem vorgestreckten Ziel, nach dem Siegespreis der himmlischen Berufung in Christus Jesus" (Paulus an die Philipper).
Sich vorwärts strecken, jagen nach dem Ziel, Siegespreis: Dieser Papst war der Sportler des neuen Jahrtausends. Hermann Maier wird gefeiert. Aber was ist der Hermann gegen den Johannes Paul.
Das tapfere Sportherz dieses Papstes war ein weiches Herz. Dreizehn Enzykliken verfasste er, darunter, so viele über soziale Fragen wie kein anderer Papst. In der Enzyklika "Sollicitudo rei socialis" ("Sorge über das soziale Problem") zitiert er den Propheten Ezechiel: "Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres, euer steinernes Herz weg- nehmen und euch ein Herz von Fleisch geben."

Arme immer ärmer, Reiche immer reicher

Ein Herz von Fleisch: Gibt es denn auch einen Sozialismus? Dieser Papst, behaupte ich; war der letzte Sozialist. Der erste Sozialist eines kommenden Zeitalters des christlichen Sozialismus. Er wagt die Offensive gegen das steinerne Herz des Brutal- und Globalkapitalismus. Von diesem Papst stammt die bündige Anklage: "Die Reichen werden immer reicher, und die Armen immer ärmer." Welcher Sozi getraut sich das sagen?
Viel wurde geschwätzt, dass dieser Papst ein Konservativer sei. Das Gegenteil ist wahr. Dieser Papst war ein Revolutionär. Wer Liebhaber der Weltgeschichte ist, weiß: Immer sind die großen Konservativen die großen Revolutionäre. Revolution ist ein astronomischer Begriff: die Umwälzung der Gestirne nach vorwärts, nämlich zurück zum ursprünglichen Ausgangspunkt.
Dieser Papst wollte die Umwälzung der Kirche zu ihren Ursprüngen. Er war kein "Modernisierer": kein Anpasser an den Zeitgeist, sondern ein Getriebener vom Wehen und Blasen des Heiligen Geistes. Er pilgerte auf dem Weg in die Zukunft.

Ein eiserner Anti-Kommunist

Er war ein eiserner Antikommunist. Mit der "Theologie der Befreiung" ging er hart um, deren Umgang mit Maschinengewehr und Marx - sei's auch begreiflich durch die Zustände in Lateinamerika - duldete er nicht. Und bekam Recht.
Mit dem Marxismus ist es aus und vorbei. Alle Ideologie starb, der Gottesglaube wächst. Wer's nicht merkt, ist selber schuld, er wird's schon noch merken.
Getreu seinem Namen Johannes glaubte dieser Papst an die Macht des Wortes. "Im Anfang war das Wort. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch dieses Wort gemacht, und ohne das Wort ist nichts gemacht..."
Einen unzeitgemäßeren Glauben kann es gar nicht geben. Absurd, was da im Prolog des Johannes-Evangeliums steht. Wir leben im Zeitalter der Macht und Supermacht, des Angriffs- und Präventivkrieges. Aber dieser Papst hat an die Stärke der Schwäche geglaubt, an das inspirierende Wort, und an die letztliche Ohnmacht der Machthaber.
Am Anfang war das Wort: 1989 kam der Niedersturz des Sowjetreiches, und dieser Papst konnte durch sein Wort, mit Leidenschaft gerichtet an das Volk und an die Machthaber in seiner Heimat Polen, tatsächlich Entscheidendes wirken. Das war die Sternstunde des Johannes Paul.
Ach, jetzt sieht es gar nicht danach aus, als könnte das johanneische Wort siegreich sein über die Kriegsherren. Aber das ist das Große an diesem Papst: Er scherte sich nie um das Vorläufige, sondern um das, was in letzter Instanz zählt.

Im Leiden die Tiefe des Glaubens

In der schrecklichen Krümmung seines Leibes, im Scheitern seiner schönen Zurufe aus dem Reich des Wortes - im Leiden, und nicht im Sieg des Tages lag die Tiefe seines Glaubens.
Der 296. Papst: Die Kirche ist die älteste Firma der Weltgeschichte, ganz buchstäblich: "Firma“ heißt "die Feste". Er hat Geschichte gemacht, aber das ist noch nicht viel; er hat Trost verströmt und Optimismus. Lange hat sie uns begleitet; die gebeugte Figur in Weiß, hängend am Kreuz seiner Hinfälligkeit. Das ist die Weise, auf die er uns Kraft gegeben hat.

Danke.

GÜNTHER NENNING
 

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Bemerkenswerte Zeichen

Wir trauern um unseren Heiligen Vater!

Für viele von uns war er wirklich ein Vater, ein ruhender Pol, Orientierung und Stütze.
Er war einer, der Mut machte, zum Glauben ermutigte und in die Tiefe führte.

Ein Freund von uns sah das Wirken unseres Papstes in einem inneren Bild: Die Welt lag im Streit, alles ging drunter und drüber. Der Papst aber hatte seine Hände über die Erde ausgebreitet und hielt sie in Frieden.

Er war der Papst des "Totus Tuus" und der Papst der Barmherzigkeit Gottes!

Er war ein Zeichen der Liebe Gottes für die Welt und Gott hat dies auch mit seinem Sterbetag bestätigt.

Der Heilige Vater starb:

Heiliger Vater, wir beten für Dich!
Du aber bitte bei Gott für Deine Kirche, für Deinen Nachfolger und für uns!

Amen!