Wie vermeiden wir Ehekrisen?

Beitrag von Mag. Ingeborg Obereder

Der Folgende Beitrag ist ein Auszug aus einem Referat, gehalten im Rahmen der Familienakademie Salzburg im August 2001.
Es werden im Folgenden einige einfache Grundregeln für ein harmonisches Eheleben angeboten.

  1. Wir akzeptieren, dass er/sie anders ist 
  2. Wir nehmen uns Zeit füreinander, schenken uns ungeteilte Aufmerksamkeit   
  3. Wertschätzung erfahren lassen
  4. Wir sind zärtlich zueinander und lassen das romantische Feuer nicht verlöschen
  5. Einer setzt sich für den andern ein und hilft ihm
  6. Den Klischees den Kampf ansagen   
  7. Zeit für erfüllte Sexualität finden   
  8. Liebe ist eine bewusste Willensentscheidung   
  9. Wenn aber einer nicht mittut?

1. Wir akzeptieren, dass er/sie anders ist 

Wir Wir sollen zu einer Gute Grundeinstellung finden: er/sie ist so anders, weil das gut für mich ist.  
Auch die Unterschiede von Mann und Frau sind wichtig, denn Gott hat sich bei seiner Schöpfung etwas gedacht.

2. Wir nehmen uns Zeit füreinander, schenken uns ungeteilte Aufmerksamkeit  

2.1. Wir pflegen das Zwiegespräch 

Oft beginnt ein Streit, weil man nicht zuhören kann.

Er hört gerade so lange hin, bis er glaubt, das Problem verstanden zu haben und dann formulierte er sofort seine Lösungen. 
Er hörte nicht so lange hin, bis er ihren Hilfeschrei um Trost und Verständnis heraushört.

Wer das wirkliche Zwiegespräche erst lernen muss, sollte auf seine Gefühle und Empfindungen mehr achten.

2.2. Wir tun Dinge miteinander

Wenn sie klagt: "Er redet nicht mit mir", so sagt er: "Sie tut nichts mehr mit mir."

Eine Ehe Mann sagte: "Die Liebe meiner Frau spüre ich am stärksten, wenn wir etwas gemeinsam unternehmen, was uns Spaß macht."

3. Wertschätzung erfahren lassen  

Wertschätzung zu erfahren, ist ein menschliches Grundbedürfnis.

In Ehen, wo es kriselt, ist oft ein geringes Niveau an gegenseitiger Wertschätzung vorhanden. Die mangelnde Wertschätzung muss in kriselnden Ehen wieder aufgebaut werden.  

Paulus: Der Mann soll seine Frau lieben – d.h. zur Entfaltung bringen (Eph 5,25/28) – die Frau soll den Mann ehren (Eph 5,33).

Warum gibt es diese unterschiedliche Formulierungen? Wohl darum, weil Paulus ein guter Psychologe war. 

Hilfen: "Wie war es in der Zeit des Kenner-Lernens?

Diese Haltungen sollen wir beibehalten und ausbauen!

Nimm nichts als selbstverständlich hin!
Übe dich in ehrlicher Dankbarkeit! Das wird die Ehrfurcht wieder wachsen lassen. 
(Erinnern wir uns an die Trauung, bei der es heißt: Ihr sollt einander lieben und ehren....) 

4.    Wir sind zärtlich zueinander und lassen das romantische Feuer nicht verlöschen

Jesus war zärtlich
Johannes ruhte mit seinem Kopf an der Brust Jesu. Er rührte die Menschen an, nahm die Kinder auf seinen Arm, segnete sie und legte seine Hände auf sie.  

Kleine Zärtlichkeiten im Alltag 
erfordern nicht viel Zeit, sind aber ein großes Kapital für Glück in der Ehe. Durch Zärtlichkeiten spricht die Liebe 

Zärtlichkeit vermag oft mehr als die schönsten Worte.  

Die Menschen sind unterschiedlich
Manche brauchen mehr Nähe als andere. Daraus können sich Konflikte ergeben. Der eine fühlt sich nur dann geliebt, wenn er zärtlich berührt wird, umarmt, geküsst; dem anderen ist es gerade nicht unangenehm – und er kommt gar nicht auf die Idee, dies so im Alltag "von sich aus" zu tun.  

Hilfe: 
Entdecken Sie, wer mehr Nähe braucht und helfen Sie, diesem Bedürfnis des Partners
entgegenzukommen.  

Das "romantische Feuer" 
Eberhard Mühlan spricht vom "romatischen Feuer", das bei allen brennen sollte; egal, wie viel Nähe oder Distanz vorhanden ist. Jeder kann seiner Phantasie freien Lauf lassen, wie die Romantik nicht vergeht oder wieder hergestellt werden soll. 
Romantik drückt sich aus:

Visuelle Eindrücke sind auf alle Fälle wichtig.
Ein Ehemann kommt vom Büro heim und wirft seiner Frau den Satz auf den Kopf: "Die Frauen im Büro sind immer so schick, toll frisiert..." Sie antwortet darauf: "Gut, dann machst du dir dein Frühstück alleine!" 
Wenn diese Frau deine Freundin wäre und sie erzählt dir diese Geschichte, wie würdest du reagieren?  

Romantische Liebe 
macht eheliche Treue leichter. Sie immunisiert gegen die unzähligen erotischen Verlockungen unserer Umwelt. Es ist daher wichtig, das romantische Feuer nie ausgehen zu lassen. Wie man bei einem Kamin immer wieder etwas nachlegen muss, so auch hier.
In einem Liedertext der "Kastelruther Spatzen" heißt es: "Deine Zärtlichkeit schützt auch vor blondem Haar."

5. Einer setzt sich für den andern ein und hilft ihm  

Jelena war ein halbes Jahr nach der Hochzeit geschieden, weil er nach der Arbeit "im Fauteuil saß und die Patschen anhatte". Sie musste die Hausarbeit allein tun.
Ob Jelena mit ihrem Mann einen Konflikt ausgetragen hat oder nicht, weiß ich nicht. Aber aus meiner Therapie kenne ich solche Fälle, wo Frauen alles hinunterschlucken. Die Frauen kränken oder ärgern sich, sind voll Wut – und sagen nichts.  

Hier gibt es eine einfache Hilfe: 
Sagen Sie den Grund für Ihre Enttäuschung oder Wut. Aber fordern Sie nicht! 

Kritik und Nörgeln führt zum Tod der Beziehung
Dadurch wird ein Keil zwischen zwei Menschen getrieben. Wer hartnäckig genug kritisiert, erreicht vielleicht schon etwas beim andern. Aber der andere tut das nur, weil der andere es will; Liebe wird jedoch nicht erfahrbar.

Positive Dinge in Erinnerung rufen
Schreiben sie sich alle Situationen auf, in den Ihnen der Partner Dinge das Gefühl vermittelt hat, geliebt zu sein. Diese Aufstellungen sind gut, weil sie helfen, konkrete Gedanken zu formulieren.
Eine Frau schrieb auf einen Zettel:

6. Den Klischees den Kampf ansagen  

Eine Frau teilte ihrem Mann den Wunsch mit, auch einmal das Baby zu wickeln. Er tat es, konnte es aber nur, weil er auch bereit war, sich von seinen stereotypen Vorstellungen zu lösen. Zu ihnen gehörte eben: "Ein Mann wechselt keine Windeln".  

Auf Grund der gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten gibt es keine allgemein anerkannten Rollenverhalten mehr. Das heißt aber nicht, dass alle Klischees überwunden wären. Das heißt auch nicht, dass es keine psychologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt.

Lange Zeit hat sich die Forschung darum bemüht, zu zeigen, dass Mann und Frau nicht nur gleichwertig, sondern auch gleichartig sind.
Erst in den 80-er Jahren sind Forschungsergebnisse über Unterschiede veröffentlicht worden.
Unterschiede gibt es sehr wohl, werden sie aber pauschal auf alle angewandt, wird daraus ein Stereotyp. Und Stereotypen sind sehr gefährlich, ja, tödlich!  

Einige Stereotypen von Männern:

Einige Stereotypen bei Frauen: 

In der Ehe-Therapie geht es darum, antistereotyp zu arbeiten.

Ein Weg in die Ehekrise 
wäre es, an seinen stereotypen Vorstellungen festzuhalten.
(Das hat so zu sein. Sie müsste das unbedingt so machen. Das kann ich auf keinen Fall....)

Ein Weg aus der Ehe-Krise 
ist es, seine Klischees in Frage zu stellen und den wahren Bedürfnissen seines Partners entgegenzukommen.  

7. Zeit für erfüllte Sexualität finden  

Unsere Umwelt und das lockere Denken in unserer Gesellschaft macht es Paaren nicht leicht, miteinander zufrieden zu sein; vor allem in sexueller Hinsicht.
Bei manchen entwickelt sich ein hohes Anspruchsniveau.

Wenn es nicht erfüllt wird, kommt es zu einer Frustration. Je größer die Frustration, um so größer sind die Anfechtungen. Die sexuelle Verführung zur Untreue ist heute sehr groß.

Die meisten Ehen vertragen einen Ehebruch nicht. Nur 20% bestehen weiter, und es dauert Jahre, bis er im Großen und Ganzen überwunden scheint.

Hilfe: Bewusstmachen des Treue-Versprechens

Unbedingt stärkste Disziplin gegenüber sexuellen Reizen üben.
Jesus sagt: "Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen." (Mat 5,28)
Hiob: "Einen Bund schloss ich mit meinen Augen, nie eine Jungfrau lüstern anzusehen." (Hiob 31,1)

Die Eheleute sollen auch in sexueller Hinsicht füreinander da sein!

Die Sexualität ist selten gestört, wenn die Kommunikation klappt. Gestörte Sexualität ist meist ein Symptom einer gestörten Beziehung. Aber es gibt Ausnahmen.  

8. Liebe ist eine bewusste Willensentscheidung  

Liebe darf mit Verlieb-Sein nicht verwechselt werden. Verlieb-Sein ist ein euphorisches Gefühl. Der andere hat einen verzaubert und man lebt in der Illusion, der/die Geliebte ist fehlerlos etc.

Doch Verliebtheit hält nur ca. 2 Jahre, dann werden die Verliebten in die reale Welt zurückkehren und merken, dass sie in vielem nicht übereinstimmen. Was tun? Ein elendes Leben in der Ehe führen, von Bord springen und sich scheiden lassen oder die Krise als neue Chance sehen. 

Diese Chance besteht darin, sich - vielleicht ohne Verliebtheit - zur Liebe zu entscheiden. Einen neuen Entschluss zur Treue und Liebe zu fassen. Eigentlich muss sich jeder täglich neu entscheiden, ob er seinen Ehepartner lieben will oder nicht.

Entscheidung zur Liebe heißt u.a.:
Achte auf deine Gedanken und dein Handeln! Denn beides ruft die entsprechenden Gefühle hervor. Gedanken an Scheidung überhaupt nicht zulassen! Denn damit beginnt eine Todesspirale. 

Entscheidung zur Liebe heißt auch:

Ps 18, 30: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen". Mit Gott die "Mauern" bewältigen, die Enttäuschung, den Vertrauensbruch, die Unversöhnlichkeit, die Demütigung...
Wenn beide Ehepartner gläubig sind, muss es doch einen Weg geben. Aus einer Ehekrise herauszukommen! 

9. Wenn aber einer nicht mittut? 

Wenn ich alleine im Glauben stehe?
"Der ungläubige Teil wird durch den gläubigen geheiligt!" An dieser Verheißung festhalten. Sich um Heiligung bemühen und dadurch den Partner gewinnen (Paulus....?)

Beispiele der Heiligen zeigen das: Franziskus; Elisabeth, Johanna von Chantal etc.
Es gibt auch viele Beispiel aus unserer Zeit.