Geistlicher Rundbrief Nr.: 3/1993

Glaubens - Gespräche

Liebe Mitchristen!

Von den Emausjüngern heißt es im Lukas-Evangelium: "Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen" (Lk 24,15). Dies ist meines Erachtens von großer Bedeutung, dass wir in der Familie, im Freundeskreis oder in der Pfarre unsere Gedanken zum Glauben austauschen und Jesus selber dabei ist. Es ist sehr zutreffend, wenn im neuen Katechismus gesagt wird: "Niemand kann für sich allein glauben, wie auch niemand für sich allein leben kann. Niemand hat sich selbst den Glauben gegeben, wie auch niemand sich selbst das Leben gegeben hat" (KKK 166).

Wie erwacht der Glaube ?

Es ist gar nicht leicht, begreiflich zu machen, was mit "Glauben" im christlichen Sinn gemeint ist. Im Grunde genommen ist es ein großes Geheimnis. Das eine scheint mir, gehört dazu: Christus muss in einem Menschen "aufleuchten" als Heilsbringer.

Gott spricht uns an

Solange wir leben, wird Gott nie aufhören, uns in unterschiedlicher Weise anzusprechen. Es ist sehr trostvoll und zugleich eine ständige Anregung, wenn es im IV. Hochgebet von Gott in Bezug auf den sündhaften Menschen heißt: "Als er im Ungehorsam Seine (Gottes) Freundschaft verlor und der Macht des Todes verfiel, hat Er ihn dennoch nicht verlassen, sondern voll Erbarmen allen geholfen, Dich zu suchen und zu finden."

Glauben bedeutet wahrnehmen, dass Gott uns in den verschiedenen Situationen unseres Lebens anspricht. Die Begegnung mit Christus lässt uns erkennen, dass Glaube nicht ein theoretisches Hirngespinst ist oder nur ein subjektives Gefühl, sondern etwas, das unserem Leben Licht und Wärme schenken will, zugleich aber unsere freiwillige Antwort herausfordert und - wenn wir mittun - unsere Liebe zu Gott und den anderen weckt: Glaube schafft Freude.

Sich mit dem Glauben befassen

Es ist notwendig, dass wir uns den Aussagen des Glaubens mit Interesse zuwenden. Der Glaube gründet im Hören der Botschaft Christi (vgl Röm 10,17), lehrt der hl. Paulus und wir alle müssen sie bedenken. Das ist eine der Bedeutungen des neuen Katechismus der Katholischen Kirche. Er bietet eine reichhaltige Zusammenschau des christlichen Glaubens an und vermittelt hilfreiche Orientierung, die in unserer pluralistischen Gesellschaft nötiger ist denn je.

Der Heilige Vater hat vor kurzem in einer Ansprache eigens darauf hingewiesen, dass dieses neue Grundbuch des Glaubens, das wir nun als Frucht des II. Vatikanischen Konzils zur Verfügung haben, nicht bloß als Hintergrundinformation für die Abfassung von Glaubensbüchern gedacht ist, sondern für alle Gläubigen von großem persönlichem Nutzen sein kann. "Er (der Katechismus) kann nicht nur als ein Vorstadium für die Ausarbeitung der Ortskatechismen angesehen werden, sondern er ist vielmehr für alle Gläubigen bestimmt, die fähig sind, ihn zu lesen, ihn zu verstehen und ihn in ihr christliches Leben aufzunehmen" (Ansprache, 29. April 1993).

Einander zum tieferen Glauben verhelfen

Ich möchte Sie und eigentlich alle Gläubigen dazu ermutigen, sich dieses informative Glaubensbuch zu erwerben und es zur persönlichen oder gemeinsamen Lektüre, als Grundlage für Gespräche und Möglichkeit zur Vertiefung regelmäßig zu verwenden. Es zeigt sich, dass die Sprache des Katechismus den meisten Menschen bei gutem Willen verständlich ist, auch wenn - wie bei allen tieferen geistig-geistlichen Büchern - eine gewisse Geduld und Widmung erforderlich sind. Es wäre ein Gewinn, wenn das Erscheinen des neuen Katechismus ein Anlass wäre, um in der Familie, im Freundeskreis, in einer Runde usw. z.B. wöchentlich eine Stunde der Glaubensvertiefung zu widmen. Der Katechismus kann Kapitelweise nach und nach gelesen werden. Es kann günstig sein, dass jemand das Glaubensgespräch ein wenig vorbereitet, die wichtigsten Aussagen zusammenfasst, bestimmte Zitate wörtlich anführt und dann zum gemeinsamen Überlegen einlädt. Es gibt vielerlei Arten, wie solche Glaubensgespräche geführt werden können.

Noch auf etwas anderes möchte ich aufmerksam machen:

Christlicher Glaube ist nur in der Kraft des Heiligen Geistes möglich.
Um den Heiligen Geist bitten

Im neuen Katechismus heißt es: "Man kann nicht an Jesus Christus glauben, ohne an Seinem Geist Anteil zu haben: Der Heilige Geist offenbart dem Menschen, wer Jesus ist." Und die hl. Schrift selbst sagt: "Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet" (1 Kor 12,3). "Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes ..." (1 Kor 2,10-11) (152).

Es ist von großer Bedeutung, um den Heiligen Geist zu bitten, wenn wir uns mit den Fragen des Glaubens befassen. Zugleich müssen wir uns dessen bewusst sein, dass die Botschaft Gottes mit unserem Leben in Bezug steht, auch wenn wir dies nicht immer sogleich und auch nicht in allen Belangen im gleichen Ausmaße erkennen können. Wir müssen uns auch vor Augen halten, dass die Aufnahme der Botschaft die Bereitschaft zu einer entsprechenden Lebensgestaltung und nicht selten auch zu einer Veränderung der Denk- und Verhaltensweise voraussetzt. Wir sollten Verlangen haben nach einem Vorgang, der unser Leben beeinflussen wird, wenn wir uns mit dem Glauben auseinandersetzen. Nie sollte in unseren Gesprächen mit Christus und miteinander die Frage fehlen: Welche Konsequenzen hat das für mich? Oder in der Runde: Welche Folgerungen sollen wir für unsere Lebensgestaltung ziehen?

Möge Maria durch ihre Fürsprache erwirken, dass wir Christus aufnehmen und Seinen Geist - den Heiligen Geist - eindringen lassen in unser Herz und wir erkennen, dass Er - Christus - der Eckstein und das Heil ist!

Bei der Bemühung um fruchtbare Glaubensgespräche wünscht Ihnen Gottes Führung und Gottes Segen

+ Klaus Küng