Geistlicher Rundbrief Nr.: 1/1999

 

Das ewige Leben

„Wer an mich glaubt, wird leben,
auch wenn er stirbt“ (Joh 11, 25)

 

Liebe Mitchristen!

„Alles ist nur Windhauch“ (Koh 1, 2)

Die Diskussionen um die Abtreibungspille Mifegyne haben gezeigt, wie oberflächlich die Überlegungen vieler Menschen sind. Sie scheinen sich nicht viele Gedanken zu machen, ob etwas vor Gott richtig ist oder nicht, ob sie etwas tun dürfen oder nicht. Sie bewegt anscheinend nur die Frage der konkreten Situation und des eigenen Wollens. Was habe ich davon? Welches ist mein Ziel? Was will ich erreichen? Maßgebend ist für sie nur das Leben jetzt.

Zugleich zeigte sich, wie von diesen Themen doch sehr viele Menschen berührt sind. Es geht um das Leben. Sogar bei jenen, die auf jeden kleinsten Versuch, die Fristenlösung in Frage zu stellen, allergisch reagieren, lässt die Aggressivität der Reaktion vermuten, dass ihnen die Thematik näher geht, als sie es wahrhaben wollen.

Unser Ursprung ist in Gott

Der Mensch ist - anders als Befürworter der Abtreibung behaupten - mehr als bloß ein Zellhaufen, aus dem sich bei günstigen Bedingungen ein Individuum entwickelt. Jeder Mensch ist ein ‘Du’ mit einem Namen, einmalig, unaustauschbar, für die Ewigkeit gedacht, vom ersten Anfang als Mensch identifizierbar.

Mehrere Mütter haben mich in den vergangenen Wochen darum gebeten, die Öffentlichkeit auf ihre Erfahrung hinzuweisen: Nicht alle ihrer Kinder seien „geplant“ und von Anfang an „erwünscht“ gewesen. Sie hätten aber ihre Kinder sehr bald lieben gelernt. Sie seien dankbar, dass sie damals ‘ja’ gesagt haben; sie spürten ein Schaudern beim Erwägen der Möglichkeit, dass sie hätten ‘nein’ sagen können. Heute wäre ihnen der Gedanke furchtbar, wenn eines dieser Kinder fehlte.

Der Mensch trägt von seinem Ursprung her ein Geheimnis auf dem Grund seines Herzens. Er wurde als Abbild Gottes (vgl. Gen 1, 27) geschaffen. Die Eltern sind nicht die alleinige Ursache, wenn ihnen das Geschenk eines Kindes zuteil wird. In der Enzyklika ‘Evangelium Vitae’ schreibt Papst Johannes Paul II.: „Wenn das Konzil von ‘einer besonderen Teilnahme’ von Mann und Frau ‘am schöpferischen Wirken’ Gottes spricht, will es hervorheben, dass die Zeugung des Kindes ein zutiefst menschliches und in hohem Maß religiöses Ereignis ist, weil sie die Ehegatten, die ‘ein Fleisch’ werden (Gen 2, 24), und zugleich Gott selber hineinzieht, der gegenwärtig ist ... Durch die Weitergabe des Lebens von den Eltern an das Kind wird also bei der Zeugung dank der Erschaffung der unsterblichen Seele das Abbild und das Gleichnis Gottes selbst übertragen“ (Evangelium Vitae 43).

Ein Plan Gottes

Gott ist also in unserem Ursprung. In unserem Leben und im Leben jedes Menschen ist daher von Anfang an etwas Göttliches, und damit verbunden ein Plan, ein Vorhaben Gottes. Die Hl. Schrift spricht mit Ehrfurcht vom werdenden Leben und kennt die Berufung von Anfang an. Jeremias hört das Gotteswort: „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt“ (Jer 1, 5). Ijob hält in seinem tiefen Schmerz inne, um über das Wirken Gottes bei der Formung seines Leibes im Schoß der Mutter nachzudenken; daraus schließt er den Grund der Zuversicht und äußert die Gewißheit, dass es, trotz seiner bitteren Erfahrungen, einen göttlichen Plan für sein Leben gebe: „Deine Hände haben mich gebildet, mich gemacht; dann hast du dich umgedreht und mich vernichtet. Denk daran, dass du mich wie Ton geschaffen hast ... Leben und Huld hast du mir verliehen, deine Obhut schütze meinen Geist“ (vgl. Ijob 10, 8-12). Und der hl. Paulus schreibt den Ephesern: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen zum Lobe seiner herrlichen Gnade“ (Eph 1, 3-6). Aus diesem Wissen um unseren Ursprung aus Gottes Wirken wächst Hoffnung für unser Leben.

Das ‘Nein’ zum Plane Gottes, die geistige Blindheit

An uns liegt es, diese Berufung zu erkennen. Nicht jeder erkennt sie. Durch die Sünde, Gedankenlosigkeit, Oberflächlichkeit entfernt sich der Mensch von seinem Ursprung und von seinem Ziel. Er verliert Gott aus dem Blick, auch das Wesentliche bei sich selbst, er „entfremdet“ sich selbst. Paulus beschreibt es mit den Worten: „ ... Sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren. ...Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers ...Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte Gott sie einem verworfenen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört. Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen“ (vgl. Röm 1, 21-22; 25; 28-31). Die Menschen geraten in die Abhängigkeit dessen, was sie zum Götzen gemacht haben. Sie verlieren ihre Freiheit, weil ihre Leidenschaften und ihre triebhaften Bindungen überhand nehmen; Ungerechtigkeiten entstehen, die Beziehungen untereinander sind gefährdet und verarmen. Das II. Vatikanische Konzil faßte diese Entwicklung mit den Worten zusammen: „Denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts ... Überdies wird das Geschöpf selbst durch das Vergessen Gottes unverständlich“ (GS 36). Begünstigt durch die Medien, durch Werbung und den daraus entstehenden Druck breiten sich diese Entwicklungen in unserer Zeit in fast allen Kreisen der Bevölkerung massiv und sehr rasch aus. Die Menschen entfernen sich von Gott und von ihrem eigentlichen Lebensziel, fast ohne es zu bemerken.
Die Zunahme all der Lebensgestaltungen, die wir unter dem Begriff Säkularisierung (Verweltlichung) zusammenfassen, zeigt auf, dass vielen nur noch die Erfolgs- und Glücksziele dieses Welt-Lebens „etwas sagen“. - Wächst auch deshalb die Zahl der Verhaltensauffälligen, der Süchtigen, Depressiven ...?

„Wähle das Leben!“

Das Leben, das Gott dem Menschen anbietet, ist ein Geschenk, durch das Gott sein Geschöpf an seiner Herrlichkeit und Größe teilhaben lässt. Es ist weit mehr als ein zeitlich-irdisches Dasein. Der göttliche Ursprung dieses Lebensgeistes erklärt die Sehnsucht, die jeder Mensch in sich trägt und die Augustinus ausrufen ließ: „Du, o Herr, hast uns für dich geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“.

Gott hat den Menschen die Gebote geoffenbart. Das Wort des Herrn sagt uns mit Deutlichkeit, welcher Richtung das Leben folgen muss, um seine Wahrheit zu respektieren, seine Würde schützen zu können und es so zu entfalten, dass es Erfüllung findet. Dem Volk Gottes wird das Gebot als Weg des Lebens angeboten. So heißt es in Deuteronomium: „Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor ...; Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. Liebe den Herrn, deinen Gott, höre auf seine Stimme, und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben. Er ist die Länge deines Lebens“ (Dtn 30, 15, 16; 19-20 ).

Die Geschichte Israels zeigt, wie schwierig es ist, die Treue zum Gesetz vom Leben aufrecht zu erhalten, das Gott den Menschen ins Herz geschrieben und dem Bundesvolk am Berg Sinai anvertraut hat. Erst Christus und sein Geist bringen eine sichere Begründung des Weges zur Erreichung des Zieles, für das der Mensch von Gott bestimmt ist. Von Christus sagt Johannes: „Das Leben wurde offenbar, wir haben es gesehen“ (1 Joh 1, 2). Jesus ist der Sohn, der von Ewigkeit her vom Vater das Leben empfängt (vgl. Joh 5, 26). Er ist zu den Menschen gekommen, um sie an diesem Geschenk teilhaben zu lassen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10, 10). Durch die Aufnahme Christi im eigenen Leben wird es jedem Menschen möglich, zum Vater zu gelangen. Jesus sagt: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“, aber auch „meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, niemand wird sie meiner Hand entreißen“ (Joh 10, 9; 10, 27 und 28).

Warum erkennen viele den Weg nicht?

Die bedrängende Frage, die uns kommen kann: Warum ist die Situation vieler Menschen heute nicht besser, obwohl der Gottessohn Mensch geworden ist und unter uns gewohnt hat? Warum finden viele nicht den Weg zu einem erfüllten Leben, zu einer geglückten Beziehung? Warum halten auch die Christen den Versuchungen eines banalen Lebens nicht stand?

Um die Gründe begreifen zu können, ist es notwendig, sich die verschiedenen Aussagen Jesu im Zusammenhang mit dem ewigen Leben zu vergegenwärtigen. Dem jungen Mann, der die Frage stellt: „Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ gibt er die Antwort: „Wenn du das Leben erlangen willst, dann halte die Gebote!“ (Mt 19, 16). Auch Christen werden den Weg zum Leben nicht finden, wenn sie die Gebote nicht halten. An ihnen (den Geboten) wird heute gerade auch von Christen oft herumgedeutet, sie werden abgeschwächt und „angepaßt“. Jesus dagegen sagt: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn“ (Mt 7, 13-14).

Die Notwendigkeit einer Antwort

Jesus bringt bei mehreren Gelegenheiten unmissverständlich zum Ausdruck, dass nicht alle Menschen das Ziel ihres Lebens erreichen werden. Zum reichen Mann, der nach einer guten Ernte einen großen Vorrat anlegt, um unbesorgt leben zu können, sagt er: „Da sprach Gott zu ihm: ‘Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist“ (vgl. Lk 12, 13-21). Materielles, Wohlstand, Reichtum können auch zur Gefährdung werden. Die Jungfrauen, die kein Öl in ihren Lampen haben, werden nicht eingelassen, wenn der Bräutigam kommt (vgl. Mt 25,11). Dem faulen Knecht, der mit dem ihm anvertrauten Talent keinen Handel treibt, wird das Talent abgenommen und er wird in die äußerste Finsternis hinausgeworfen. Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen“ (vgl. Mt 25, 14-29). Und der unbarmherzige Gläubiger wird den Folterknechten übergeben, bis er die ganze Schuld bezahlt hat (vgl. Mt 18, 23 f). Der Herr sagt auch, dass es nicht genügt, „Herr, Herr,“ zu sagen; es ist notwendig, den Willen des Vaters zu erfüllen (vgl. Mt 7, 21), und wer nur auf seine Stimme hört, aber nicht danach handelt, gleicht einem Mann, der sein Haus auf Sand baut ... (vgl. Mt 7, 26). „Täuscht euch nicht: Gott lässt keinen Spott mit sich treiben; was der Mensch sät, wird er ernten“, schreibt der hl. Paulus (Gal 6, 7). Und Christus wiederholt mehrmals: „Wer nicht sein Kreuz trägt, kann nicht mein Jünger sein.“ Das Schwierige, Anstrengende des Glaubens darf nicht beiseite geschoben, verdrängt werden.

Grund zur Hoffnung

Also eine ernste Botschaft, die Jesus bringt? Manche würden sagen: eine Drohbotschaft! Es ist richtig: seine Botschaft ist fordernd, Jesus erwartet Umkehr, er ruft jedoch den Menschen in die persönliche Freiheit, in die Ver-Antwortung. Heute neigen nicht wenige dazu, die Botschaft Jesu zu verharmlosen.

Zugleich ist klar, dass alle, die ihn aufnehmen, Grund zur Hoffnung haben. „Die Hoffnung lässt uns nicht zugrunde gehen“ (Röm 5, 5), schreibt der hl. Paulus und im Johannesevangelium heißt es: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1, 12-13). Jeder Mensch kann gerettet werden. Gott will, dass alle gerettet werden (vgl. 1 Tim 2, 4), gerettet durch Umdenken, durch persönliche Entscheidung für ihn.

Vergebung

In Christus finden wir Vergebung. Er spricht davon, dass Gott ein Vater ist, der den zurückkehrenden Sohn schon von der Ferne sieht und ihn mit offenen Armen aufnimmt. Er spricht von der Freude des Himmels über jeden Sünder, der umkehrt. Er selbst hat sein Blut vergossen zur Vergebung der Sünden. Paulus schreibt: „Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden“ (Röm 5, 10), und Petrus erinnert daran, dass wir durch Christus losgekauft wurden. „Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel“ (1 Petr 1, 18-19). Wer an Christus glaubt, ihm vertraut und auf ihn baut, hat Grund zur Hoffnung. Mit ihm vereint wird unser Leben fruchtbar. Es entfaltet sich. „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht“ (Joh 5, 5). Darin besteht der große Trost, der Halt und die Kraft, die wir durch die Sakramente in der Kirche und durch die Kirche empfangen. Wir empfangen durch sie Anteil an Christus, Anteil an seinem Leben, Keime des ewigen Lebens. Unsererseits ist wirkliche Nachfolge nötig, seine Denkweise, sein Geist muss in unserem Handeln wirksam, spürbar werden. Wir müssen seine Weisung empfangen, offenen Herzens aufnehmen und auf diese Weise, verbunden mit ihm, Gott und die Mitmenschen lieben lernen. Der Keimling des ewigen Lebens kann und muss durch diese Nachfolge Christi in uns wachsen. Wir werden, wenn wir treu sind, Christus immer wieder, in allen Umständen des Lebens, suchen, ihm begegnen und ihn aufnehmen, allmählich - auch durch die innere Mitfeier der Eucharistie - verwandelt. Der hl. Paulus ermahnt und ermutigt: „Daher, geliebte Brüder, seid standhaft und unerschütterlich, nehmt immer eifriger am Werk des Herrn teil, und denkt daran, dass im Herrn eure Mühe nicht vergeblich ist“ (1 Kor 15, 53). So können wir den Weg zum ewigen Leben finden d.h. zu den „ewig wertvollen Taten“ und Verhaltensweisen nach den Worten des Johannes: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1 Joh 3,1-2). Das ewige Leben wird darin bestehen, dass wir Gott schauen und mit ihm leben, dass unser Leben in seinem Licht zur endgültigen Vollendung gelangt.

Zeugen der Unsterblichkeit, Zeugen Jesu Christi

Jesus sagt zu Martha, die sich viele Sorgen und Mühen macht, das vielsagende Wort: „Nur eines ist notwendig“ (Lk 10, 42) - und meint damit seine Botschaft mit dem Herzen hören. Alle sollten wir dieses Wort im Herzen tragen. Zugleich auch seine Aussage: „Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann“ (Joh 9, 4). Der Gedanke an die Ewigkeit macht unser Leben hier und jetzt nicht unwichtig, im Gegenteil, jeden Tag und jede Stunde müssen wir nützen, um zu tun, was „Ewigkeitswert“ in sich trägt, um Reich Gottes, d.h. je nach Lebenssituation, Güte, Vergebung, Geduld, Hoffnung, Zuversicht ... zu realisieren. Das lässt das Leben aufleuchten, gibt ihm Würze, Wert, Ewigkeit. Dann wird uns auch zur wichtigen Aufgabe im Leben, den anderen gegenüber Zeugen der Unsterblichkeit, Zeugen Jesu Christi, Zeugen seines Lebens und Wirkens, seiner Hingabe am Kreuz und seiner Auferstehung zu sein. Es muss wesentliches Anliegen der Eltern in Bezug auf ihre Kinder sein, jedes wahrhaft Liebenden in Bezug auf die Personen, die er liebt, jedes Lehrers in Bezug auf seine Schüler, jedes Priesters, jedes Bischofs in Bezug auf die Gläubigen, die ihm in irgend einer Weise anvertraut sind: sie mögen auch durch sein Zeugnis den Weg zum Vater finden, zum Ewigen und Bleibenden, zu jener Liebe, die stärker ist als der Tod. Sie sollen Christus erkennen, den Weg zum ewigen Leben, und Mut fassen, diesen Weg zu gehen. Möge die Güte Gottes es schenken, dass auch die Menschen heute diesen Höhenweg der Lebensgestaltung suchen und von diesem Glauben getragen und erfüllt sind.

+ Klaus Küng