Stellungnahme zur Familienpolitik

„Bunter, breiter, offener“

Mit Sorge verfolge ich die Diskussion, die im Zusammenhang mit einigen Äußerungen der neuen Familienministerin und mit der Weiterentwicklung der ÖVP entstanden ist. Anscheinend bedeutet für einige „bunter, breiter, offener“ vor allem das Abgehen von der Ehe zwischen Mann und Frau als Grundlage der Familie sowie insbesondere die Zulassung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften mit der Zusicherung eines festen rechtlichen Rahmens für alle. Auch die Frage „Kinder“ scheint nach diesem Konzept geradezu sekundär.

In Wirklichkeit kommt diese Art von „Buntheit, Offenheit und Weite“ einem Verlust an Wahrnehmung der realen Probleme unserer Gesellschaft gleich. Die zu geringe Kinderzahl gehört zu den größten Herausforderungen, denen wir uns heute besonders stellen müssen. Und Kinder brauchen für ihre harmonische Entwicklung ihrer Persönlichkeit beide, Vater und Mutter, und zwar die eigenen.

Wenn sich heute durch verschiedene Umstände auch manche „Lebenswirklichkeiten“ geändert haben, ist es nicht Aufgabe der Politik, diese bedingungslos anzunehmen. Ihre Aufgabe müsste es vielmehr sein, eine gesunde Entwicklung im Land zu fördern und dafür gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Ob das durch diese neu in Diskussion gebrachten Ansätze gelingt, ist mehr als zu bezweifeln.

Eines ist die Beachtung der persönlichen Rechte und der persönlichen Würde homosexueller Menschen, etwas anderes ist die Erkenntnis, dass nur die Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau eine gesunde Entwicklung der Gesellschaft ermöglicht.

Das Modell, das Zukunft hat, ist die Familie auf der Grundlage der Ehe.

St. Pölten, 23. Jänner 2007
Familienbischof DDr. Klaus Küng